Menopausenberatung

Es gibt eine Vielzahl interessanter und wichtiger Themen um die Menopause. Das wichtigste Thema ist sicherlich die Hormonersatzbehandlung von klimakterischen Beschwerden. Es gibt aber auch alternative Therapiemöglichkeiten mit Pflanzenpräparaten. Diese sind durchaus empfehlenswert bei leichten klimakterischen Beschwerden oder wenn Hormone nicht erwünscht oder nicht erlaubt sind. Ein weiteres zentrales Thema ist die Osteoporose: die Erkennung eines Osteoporose-Risikos, vorbeugende Massnahmen und die Therapie einer bereits manifesten Osteoporose. Auch hier sind Hormone wichtig als Prophylaxe und oft lassen sich mit ihnen mehrere Probleme auf einmal lösen. Zunehmenden werden aber auch neue Substanzen prophylaktische eingesetzt. Begleitende Massnahmen sind kalziumreiche Ernährung und regelmässige körperliche Bewegung.

Zwei Gruppen Sexualhormone sind bei der Frau von Bedeutung. Die Östrogene sind die weiblichen Haupthormone. Sie werden in den Eierstöcken, respektive in den Eibläschen gebildet. Man nennt sie deshalb auch Follikelhormone. Die Gestagene, deren Hauptvertreter das Gelbkörperhormon Progesteron ist, erscheinen in der zweiten Hälfte des Monatszyklus und dienen im Prinzip der Erhaltung einer allfälligen Schwangerschaft. Beide Hormone haben ihre spezifischen Wirkungen auf die Organe der Frau. Sie sind nicht nur für die Fortpflanzung von Bedeutung, sondern auch für den Stoffwechsel, das Herz-Kreislauf-System und für das körperliche und seelische Wohlbefinden. Nach Ausfall der Funktion der Eierstöcke kann es daher als Folge des Östrogenmangels zu Störungen im Bereich der Geschlechtsorgane, des vegetativen Nervensystems und der allgemeinen Befindlichkeit kommen. Stoffwechselveränderungen können mögliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen (z. B. Osteoporose, kardiovaskuläre Erkrankungen). Es gibt also auch berechtigte Gründe eine Hormonersatztherapie nicht nur gezielt therapeutisch einzusetzen, sondern auch vorsorglich im Sinne einer langfristigen Prävention nach der Menopause.

Die Auswirkungen eines Hormonmangels sowie die Möglichkeiten und Risiken einer Hormonersatztherapie sind Gegenstand eines ausführlichen Gesprächs zwischen Arzt und Patientin. Eine Hormontherapie muss individuell passend auf jede Frau abgestimmt werden. Dabei sind die zur Therapie führenden Gründe und die Vorgeschichte der Patientin von Bedeutung. Während der Behandlung sind später dann regelmässige Kontrollen notwendig.

Leider führen unsachgemässe Darstellungen in den Medien immer wieder zur Verunsicherung und zu Bedenken gegenüber der Anwendung von Hormonen. Hinzu kommt, dass viele in den Packungsbeilagen aufgeführten Gegenanzeigen nicht zutreffend oder irreführend sind.

Die positiven und erwünschten Wirkungen einer Hormontherapie sind:

Vegetative Störungen wie Hitzewallungen, Schweissausbrüche, Schlafstörungen und Herzrasen lassen sich durch eine Östrogensubstitution beheben. Gleichzeitig werden auch Symptome wie Reizbarkeit, Nervosität und depressive Verstimmungen gebessert.

Östrogene haben vorteilhafte Wirkungen auf Haut und Schleimhäute. Sie fördern die Durchblutung und steigern die Bildung von Kollagen. Sie kräftigen die Haut und wirken dem Gefühl von trockenen Schleimhäuten entgegen.

Eine Hormonersatztherapie verhindert den durch Östrogenmangel bedingten Verlust von Knochenmasse nach der Menopause (Osteoporose) bei langfristiger Anwendung.

Durch Hautschrumpfung und Trockenheit im Bereich der Geschlechtsorgane verursachte Beschwerden werden gebessert. Die Symptome einer Reizblase werden häufig günstig beeinflusst.

Die Wirkung der Östrogene auf den Fettstoffwechsel zeigt einen positiven Effekt auf die Zusammensetzung des Cholesterins und der Triglyceride. Ob sich daraus ein langfristiger Nutzen für Herz- und Kreislauferkrankungen ergibt ist jedoch noch nicht sicher geklärt.

Der Nachteil:

Nach der Menopause langfristig angewendete Östrogene erhöhen das Risiko für Brustkrebs. Diese Risikoerhöhung ist gering und konnte erst durch die Analyse grosser Fallzahlen ermittelt werden.

Vergleichen wir dazu zwei Gruppen mit je 1000 Frauen. Eine Gruppe beginnt im Alter von 50 Jahren mit der Hormonsubstitution und führt diese über fünf Jahre durch, während die andere Gruppe keine Hormone nimmt. Bis zum Alter von 70 Jahren werden in der Gruppe ohne Hormone 63 Mammakarzinome gefunden. In der Gruppe mit Hormonsubstitution findet sich 65 mal ein Mammakarzinom - also zwei mehr auf 1000 Frauen. Nach einer Therapiedauer von 10 Jahren nimmt die Fallzahl um 6 und nach einer fünfzehnjährigen Hormonsubstitution um 12 pro 1000 Frauen zu.

Letztendlich sterben aber weniger Frauen in der Hormongruppe wegen des Mammakarzinoms. Grund dafür ist, dass diese Frauen öfter in ärztliche Kontrolle gehen und die Karzinome deswegen in einem früheren Stadium entdeckt werden. Dadurch ist die Chance auf Heilung besser und die Sterblichkeit in der Hormongruppe geringer als in der Kontrollgruppe.

Hormone im Vergleich mit anderen Risiken

Die nebenstehende Abbildung von Prof. Dr. Johannes Huber aus Wien zeigt einen Vergleich des von Hormonen ausgehenden Risikos für Brustkrebs mit anderen, zum Teil alltäglichen Risiken und Verhaltensweisen. Die Grafik zeigt wie viele von jeweils 1000 Frauen im Laufe des Lebens an Brustkrebs erkranken. (Für Vergösserung direkt auf Graphik klicken)

Die weisse durchgezogene Linie stellt Frauen ohne Hormontherapie dar. Die unterbrochenen weissen Linien zeigen die Anzahl Frauen mit Brustkrebs aus 1000 Frauen, welche während 5, respektive 10 Jahren Hormone eingenommen haben. Ihr Risiko ist bekanntlich leicht erhöht. Die gelbe Linie zeigt das deutlich höhere Risiko für Frauen mit erheblichem Übergewicht und die rote Linie gilt für Frauen mit regelmässigem Alkoholkonsum. Übergewicht und Alkohol sind also Risikofaktoren, welche schwerwiegender sind als die Einnahme von Hormonen. Die grüne Linie zeigt, dass Frauen welche regelmässig Sport treiben im Vergleich ein deutlich niedrigeres Risiko haben.

Fazit: Life Style und Gesundheitsbewusstsein sind mindestens ebenso wichtig, wenn nicht wichtiger als die Tatsache, ob man Hormone nimmt oder nicht. Die Entstehung von Brustkrebs ist multifaktoriell bedingt (was eigentlich schon lange bekannt ist) und kann nicht anhand eines einzelnen Risikofaktors alleine diskutiert werden.